2008
13
Feb
Kommissar Beck am Tatort Ludwigshafen
Anfang Februar starben bei einem Wohnhausbrand in Ludwigshafen neun Menschen türkischer Herkunft. Für den 10. Februar plante die ARD einer Tatort-Folge, die nicht nur in Ludwigshafen spielt, sondern auch von einem Mord im türkischen Milieu handelt.
In Anbetracht der aufgeheizten Stimmung erschien es als Zugeständnis an die Political Correctness durchaus vertretbar, über die Verschiebung dieser Tatort-Folge nachzudenken. Zu diesem Schluss kam dann auch die ARD recht schnell und tauschte die entsprechende Tatort-Ausstrahlung gegen eine andere aus.
So weit, so gut. Auch die Tatsache, dass sich Kurt Beck berufen fühlte, sich zu dem Thema zu äußern und die Verschiebung des Tatorts zu fordern, ist per se nicht zu kritisieren. Warum er dies allerdings via dpa tun musste, statt den zuständigen Intendanten einfach anzurufen, ist nicht mehr so leicht zu erklären - außer man unterstellt Herrn Beck das Bedürfnis, selbst bei diesem Thema noch mit billigem Populismus Punkte sammeln zu wollen.
Wie der FOCUS nun berichtet, war die Entscheidung über die Verschiebung des Tatort bei SWR und ARD längst gefallen, als Beck sich an die Presse wandte. Die Fernsehmacher fühlten sich, so die Süddeutsche, gehörig auf den Schlips getreten:
“Wir sind uns unserer eigenen Verantwortung bewusst und brauchen in Sachen Pietät keine Nachhilfe von der Politik.‘‘
Was lernen wir daraus? Becks Populismus kennt offenbar keine (Scham-)Grenze.
Nachtrag: Besonders peinlich wirkt Becks Handeln, wenn man sieht, welchen Kräften er damit in die Hände spielt - das findet sogar die taz.

