2008 12
Mrz

“Die Andrea-Show”

In der ganzen Debatte um die inhaltliche Zerstrittenheit der SPD und Kurt Becks Führungsqualitäten (respektive den Mangel derselben) geht eines unter: die Rolle der Person Andrea Ypsilanti. Der stern greift das Thema jetzt dankenswerterweise unter der Überschrift “Die Andrea-Show” auf:

“Andrea Ypsilanti will an die Macht in Hessen. Und wie, ist ihr egal. Gescheitert ist sie, weil sie in Wahrheit einen ganz alten politischen Stil pflegt. Der ‘neue Politikstil’ entlarvt sich als floskelhaft. (…) Gescheitert auf dem Weg zur Macht ist die SPD-Landeschefin Ypsilanti nicht an der SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger, die sich anmaßte, sich an das große Wahlversprechen der Ypsilanti-SPD zu halten: nämlich nimmer mit der Linken zusammen zu arbeiten. Gescheitert ist Ypsilanti letztlich daran, dass sie in Wahrheit einen ganz alten politischen Stil pflegt. (…) Ypsilanti wollte dringend Ministerpräsidentin werden, egal wie. Mit der CDU wäre das nicht gegangen, da wäre sie nur Vize geworden.

Erhellend auch die Hintergründe zum Ablauf der Ereignisse in den letzten Wochen in der hessischen SPD. Während sich Andrea Ypsilanti im Nachhinein beleidigt zeigte und beklagte, Dagmar Metzger hätte ihre Bedenken früher anmelden sollen, sieht die Wahrheit etwas anders aus:

“In der SPD-Fraktionssitzung am 26. Februar (…) wurde in Wiesbaden bereits konkret über die Möglichkeit einer durch die Linke tolerierten Minderheitsregierung gesprochen. Dagmar Metzger, die Neue, meldete Bedenken an. Sie wurde aber gebeten, diese zurückzustellen, da man ja noch auf die Option mit den Grünen und der FDP hoffe (wofür es zu diesem Zeitpunkt eigentlich keinen Anlass mehr gab). So aber fuhr Metzger halbwegs beruhigt in die Schweiz nach Chur in Urlaub. (…) Schon eine Woche darauf beschließt die SPD-Fraktion, ihr Wahlversprechen dranzugeben und sich von der Linken tolerieren zu lassen.”

Merke: Wer mit hohen Ansprüchen antritt, muss sich an diesen auch selbst messen lassen. Und daran ist Andrea Ypsilanti letztlich grandios gescheitert. Ob die ehemalige Stewardess und Diplom-Soziologin nun eher persönlicher “Machtgeilheit” oder ihrer naiven Fehleinschätzung der Realitäten aufgesessen ist, spielt keine Rolle. Am Ende verliert sie wohl in jeder Hinsicht gegen ihren Erzfeind Roland Koch:

“Und da erkannte man, (…) dass Andrea Ypsilantis Verständnis von Politik der ihres Widersachers Roland Koch von der CDU viel ähnlicher ist als gedacht. Nur, dass sie ihm unterliegt. Anders als sie soll er bereits über einen geordneten Rückzug nachdenken.”