2008
25
Mrz
Die SPD am Osterwochenende
Im Vergleich zur heißen Debatte um die Hessen-Wahl vor wenigen Wochen war es über’s Osterwochenende schon fast gespenstisch still um die SPD - aber langweilig wird’s trotzdem nicht. Hier kurz zusammengefasst zwei Medien-Schmankerl zur SPD vom Wochenende.
Der stern kommentiert die Suche der SPD nach einem Kanzlerkandidaten unter dem Titel “Die SPD sucht einen Verlierer“:
“Sucht die SPD einen Kanzlerkandidaten für 2009? Nein, eher den Mann, der dann verlieren darf. Da hat Kurt Beck, der ‘natürliche Kandidat’, die besten Chancen. An einen Wahlsieg glaubt keiner mehr.”
Neben allerlei eher unterhaltsamen Anekdoten weiß der stern zu berichten:
“Aufmerksam wurde notiert, dass während der letzten SPD-Fraktionssitzung vor der Osterpause Beck und Steinmeier drei Stunden lang nebeneinander saßen - und die ganze Zeit kein Wort miteinander wechselten. Das wurde sofort als Beweis dafür genommen, dass der SPD-Chef im Außenminister einen echten Konkurrenten bei der Kanzlerkandidatur für 2009 sieht.”
Oder dafür, dass Beck und Steinmeier sich nichts mehr zu sagen haben? Wie verfahren die Lage ist, zeigt der folgende Kommentar eines SPD-Mitglieds:
“In der Verfassung, in der sich die SPD derzeit befindet, benötigen wir einen speziellen Kandidaten: Einer, der es auf sich nimmt, die Wahl 2009 zu verlieren.”
Abschließend gibt’s noch einen netten Seitenhieb in Richtung Franziska Drohsel, der sich SPD Watch wohl auch dringend etwas ausführlicher widmen müßte:
“Die neue Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel hat immer noch nicht realisiert, dass sie im neuen Amt nicht mehr in der politischen Kreisklasse spielt, sondern in der Bundesliga. In Hintergrundgesprächen mit Hauptstadt-Journalisten fällt sie dadurch auf, dass sie nach 45 Minuten nichts mehr zu sagen hat. Vollends auf die Nase fiel sie, als sie sich traute, mit Gregor Gysi über den Neoliberalismus zu diskutieren. Der macht schon im Bundestag die führenden Sozialdemokraten rhetorisch regelmäßig nieder. Drohsel ging im Duell mit ihm völlig unter. Ihre Verteidiger argumentieren jetzt damit, dass die junge Genossin ja ohnehin für ein Bündnis mit den Linkssozialisten sein.”
Mehr für die Statistik, aber nichtsdestotrotz ein weiteres Indiz für den Zustand der SPD: Traditionell die mitgliederstärkste Partei Deutschlands, wird sie diese Position wohl in Kürze an die CDU abtreten müssen. So berichtet die netzeitung:
“Einst hatte die SPD fast eine Million Mitglieder und damit 160.000 mehr als die CDU. Jetzt ist der Vorsprung auf 3000 geschmolzen. Ihre Ablösung als größte Volkspartei steht unmittelbar bevor. (…) Mit Stichtag 29. Februar hatte die CDU 533.265 Mitglieder. Diese Zahl bestätigte ein Parteisprecher in Berlin. Die SPD hatte 536.655 Mitglieder und lag damit noch vor den Christdemokraten. Doch SPD-Strategen fürchten laut ‘Bild’, dass es wegen des Streits um den Kurs von Parteichef Kurt Beck bei den Sozialdemokraten eine große Zahl von Austritten gegeben habe. (…) Bei der SPD vollzieht sich die Abwärtsentwicklung seit Jahren weitaus schneller als bei der CDU. 1990 hatten die Sozialdemokraten noch mehr als 940.000 Mitglieder, die CDU fast 780.000. Die Sozialdemokraten haben seither rund 400.000 Mitglieder verloren.”

