2008
18
Mrz
Heftige Kritik an geplanter Rentenerhöhung
Die Kritik an der von Olaf Scholz kürzlich angekündigten, stärkeren Rentenerhöhung geht durch alle Parteien. Vor allem die Jungen in SPD und CDU kritisieren die Pläne des Arbeitsministers scharf.
Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, kritisierte, die Rentenerhöhung gehe zu Lasten der jungen Generation.
Der CDU-Abgeordnete Jens Spahn kündigt den Widerstand junger Parlamentarier an: “Das Wahlgeschenk an die Rentner kostet die Jungen mittel- und langfristig viel Geld.” Und politisch bringe die Erhöhung letztlich sowieso nichts: “Auch mit 1,1 Prozent sind die Rentner nicht zufrieden.”
Kurt Lauk, Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, spricht von einer “ordnungspolitischen Sünde“. Lauk weiter: “Eine immer schlimmere Belastung der nachfolgenden Generationen mit den Folgen der ungelösten Herausforderungen von heute ist schlicht verantwortungslos.”
Stefan Müller, Vorsitzender der Jungen Union in Bayern, stellte klar, ein Zurückdrehen der Rentenreform zugunsten der Rentner werde die Jungen Union nicht unterstützen.
Michael Fuchs, der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der CDU, kommentiert: “Es wäre sinnvoller, die Milliarden für eine Senkung des Rentenversicherungsbeitrags auszugeben - davon profitieren mit etwas Zeitverzögerung auch die Rentner, da mit steigenden Löhnen automatisch die Renten steigen.”
Bert Rürup, Chef der “Fünf Wirtschaftsweisen”, sagte dem SPIEGEL, mit der Abkehr von der geltenden Rentenformel setze die Regierung ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und gefährde die Reformziele.
Der Ökonom Bernd Raffelhüschen rügte den “bizarren Populismus“, der die Beitragszahler unfair belaste und die Glaubwürdigkeit der Rentenpolitik zerstöre. Raffelhüschen wirft Scholz eine “dilettantische Rentenpolitik” vor. Und unnötig ist die ganze Aktion auch noch: “Im Wahljahr 2009 wären die Renten auch ohne diese Manipulation deutlich gestiegen.”
Zu den Befürwortern der Rentenerhöhung gehört der frühere SPD-Bundessozialminister Walter Riester. Er nannte die Pläne “angemessen”. Forderungen von Gewerkschaften und Linkspartei nach einer stärkeren Rentenerhöhung hingegen kritisierte Riester als reinen Populismus. (Ein bisschen Abweichen von sinnvollen Prinzipien ist ok, aber zuviel ist reiner Populismus. Aha.)
Diesem Populismus scheint bedauerlicherweise auch die CDU aufzusitzen, die - trotz heftiger Kritik aus den eigenen Reihen - den Vorschlag von Olaf Scholz zu unterstützen scheint. Offenbar folgert man aus der geringen Wahlbeteiligung älterer Stammwähler bei den jüngsten Landtagswahlen, dass man den Rentnern etwas Gutes tun müsse - und begibt sich damit auf ein Niveau mit dem von der SPD praktizierten Populismus.
Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der DGB angekündigte überplanmäßige Rentenanhebung nicht für ausreichend hält.

