2008
23
Apr
Sebastian Edathy, das BKA-Gesetz und “lästige” Journalisten
Kennen Sie Sebastian Edathy? Nein. Macht nichts. Auch wir hatten Herrn Edathy bis vor einigen Tagen nur am Rande wahrgenommen. Herr Edathy ist seit 1998 Mitglied des Bundestages und hätte uns als Vorsitzender des Innenausschusses eigentlich schon früher auffallen sollen - in diesem Bereich sind andere aber präsenter.
Wie dem auch sei, seit einigen Tagen “genießt” Herr Edathy die besondere Aufmerksamkeit der Medien und vor allem der Blogosphere. Die Fakten sind schnell berichtet: Zunächst echauffiert sich Herr Edathy über eine freie Journalistin, die nicht nur für die ZEIT sondern auch das Online-Magazin Telepolis schreibt, ohne ihn darauf in aller Deutlichkeit hingewiesen zu haben. Kurze Zeit später antwortet er in einem Telefoninterview mit dem Radiosender “Radio Eins” (RBB) auf die etwas flappsige Frage, ob er sich morgens nackt oder in Unterwäsche die Zähne putze, mit einem genervten “Was soll der Scheiß” und legt auf. Zugegeben, auch unsere Nerven würden blankliegen, wenn wir laufend die innenpolitischen Machwerke von Wolfgang Schäuble und seinen “Gesinnungsgenossen” verteidigen müssten. Die permante Kritik in den Medien, die ständigen Rüffel aus Karlsruhe - da können die Nerven schon mal blank liegen, nicht wahr, Herr Edathy?
Naja, in jedem Fall hat er es in kürzester Zeit von der zweiten Reihe direkt in die Herzen deutscher Blogger geschafft - hier nur ein kleiner Ausschnitt aus den aktuellen Veröffentlichungen: jetzt.de, netzpolitik.org, redblog, gehirnstürm, dobschat, curious creatures und last but not least Helgoländer Vorbote.
Respekt - für soviel Präsenz in der Blogosphere muss man es in der SPD ansonsten schon mindestens bis zum Parteivorsitzenden gebracht haben. :o)
PS: Zwischenzeitlich hat sich Herr Edathy übrigens auf abgeordnetenwatch.de zu dem Interview geäußert:
“Ich finde in der Tat, dass man sich als Interviewpartner nicht jede Frechheit bieten lassen muss und dass es diesbezüglich Grenzen gibt. Diese waren in diesem Fall überschritten. Meine Privatsphäre geht Journalisten nichts an, insofern war die Interviefrage auch nicht ‘humorvoll’, sondern unverschämt. Eine Gesprächsgrundlage war somit nicht mehr gegeben. So einfach ist das.”
Seufz. Wenigstens im Nachgang einzuräumen, dass man etwas überreagiert hat, hätte noch einen Hauch von Souveränität gezeigt. So ist und bleibt es einfach nur peinlich.

