2008
24
Mai
Cicero: Gesine Schwanilanti
Unter dem ebenso amüsanten wie passenden Titel “Gesine Schwanilanti” schreibt Chefredakteur Wolfram Weimer im Politik-Magazin Cicero:
“Die Wahl des nächsten Bundespräsidenten ist für die SPD eine No-Win-Situation. Stellt sie Gesine Schwan gar nicht erst gegen Horst Köhler auf, so offenbart sie ihre erodierende Gestaltungsmacht. Lässt man sie aber antreten, dann begibt man sich in die Hand der Linkspartei.
Entweder Schwan verlöre, dann wäre der Bundestagswahlkampf mit einem Verliererstigma eröffnet. Das Schlimmste aber, was der SPD passieren kann, ist ein Sieg Gesine Schwans mit den Stimmen der Linkspartei. Denn dann wäre nicht nur die Bundestagswahl verloren, sondern auch jede Glaubwürdigkeit, man werde mit der Linkspartei auf Bundesebene keine gemeinsame Sache machen.
Je mehr die SPD die Personalie Schwan öffentlich zelebriert, desto mehr wächst die Angelegenheit zu einer Art ‘Ypsilanti 2.0′ aus. (…)
Diese frühsommerlichen Tage werden daher zu einem ‘defining moment’ für die historischen Geschicke der SPD. (…)”
Wie wahr! Eine Nominierung von Gesine Schwan oder gar eine Wahl mit den Stimmen der Linkspartei wären ein Sieg für Andrea Nahles und die SPD-Linken. In einer solchen Konstellation ist ein Kanzlerkandidat Steinmeier praktisch nicht mehr vorstellbar. Der Weg der SPD nach links außen wäre damit vorgezeichnet. Kurt Beck würde für die SPD die Bundestagswahl 2009 verlieren und hätte damit die Rolle des “nützlichen Idioten” erfüllt. Der Kanzlerkandidat 2013 hieße Klaus Wowereit, und Oskar Lafontaine hätte gute Chancen auf Vizekanzlerschaft und Außenministerium.
Bleibt zu hoffen, dass die SPD sich der Tragweite der anstehenden Entscheidung bewusst ist oder zumindest rechtzeitig bewusst wird. Im Moment allerdings sieht es nicht so aus. Vielmehr entsteht mit jedem Tag mehr der Eindruck, Kurt Beck ließe sich von Andrea Nahles geradezu beliebig manipulieren, während Steinmeier und Steinbrück mehr oder minder fassungs- und machtlos zusehen.

