2008
06
Jun
Henryk M. Broder: “Die SPD ist nicht zu retten”
Henryk M. Broder ist Journalist und Schriftsteller. Er schreibt unter anderem für den SPIEGEL und das (von uns sehr geschätzte) BLOG “Die Achse des Guten“. Sein Stil ist bisweilen polemisch, aber er bringt die Dinge auf den Punkt. So wie in einer jüngsten Kolumne zum Verfall der SPD auf SPIEGEL Online:
“Die SPD ist im Begriff, das von der FDP angestrebte Traumergebnis von 18 Prozent zu erreichen, wenn auch aus der anderen Richtung. Das ist kein Grund zur Schadenfreude, denn ohne eine starke und funktionierende Sozialdemokratie kann eine soziale Demokratie nicht gut funktionieren; andererseits gibt es im Bundestag, mit Ausnahme der FDP, nur noch sozialdemokratische Parteien, die unter den Logos von CDU, CSU, Grüne und Linke firmieren, so dass mit der Auflösung der Ur-Marke SPD kein allzu großer Schaden verbunden wäre.”
Diese Entwicklung sei “so organisch wie das Aussterben der Dinosaurier“. Dabei merkt man, dass Broder durchaus der Sozialdemokratie aus Zeiten von Willy Brandt (und sogar hin bis hin zu Gerhard Schröder) nachtrauert - und gleichzeitig keine hohe Meinung von den heutigen Protagonisten der Partei hat:
“Und nachdem alle, die was können und was taugen, sich ins Privatleben oder in die Wirtschaft zurückgezogen haben, sind nur noch die fleißigen Ministranten übrig geblieben: Frau Ypsilanti, die ihren eigenen Wahlsieg vergeigt hat, Olaf Scholz, der mit dem Charisma eines Schalterbeamten agiert, Hubertus Heil, der beim Sprechen den Mund kaum aufmacht, und Kurt Beck, dem man es ansieht, dass er sich selbst nicht wählen würde, wenn man ihm die Wahl ließe. Gut, bei der CDU ist das Personal auch nicht besser, aber die haben wenigstens Angela Merkel, die allen anderen die Schau klaut, weil sie ihren Job professionell erledigt.”
Abschließend empfiehlt Broder den Kauf von SPD-Memorabilia, um “wenigstens die Erinnerung an die einst stolze Partei zu retten”:
“Nehmen wir es mit Würde und mit Gelassenheit. Die SPD ist nicht zu retten. Retten wir also unsere Erinnerungen an die SPD.”
Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht den Wunsch, dass die SPD ihr eigenes Dahinsiechen nicht zu lange verlängern möge - dieses Elend kann man ja kaum noch mitansehen …

