2008
16
Aug
Große Mehrheit der Deutschen gegen Ypsilantis Pläne
Andrea Ypsilanti argumentiert gerne, der hessische Wähler habe im Januar den Wunsch nach einem Politikwechsel in Hessen zum Ausdruck gebracht. Dass die hessischen Wähler dabei von der Zusage Ypsilantis ausgingen, nicht mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten, lässt die hessische SPD-Vorsitzende gerne unter den Tisch fallen. Aus gutem Grund schreckt Ypsilanti vor einer Klärung der Verhältnisse durch Neuwahlen zurück: Sie hätte keine Chance, eine Mehrheit für eine rot-rot-grüne Regierung zu bekommen. Dies spiegelt sich jetzt auch in einer Umfrage des ZDF wider.
Nur 24 Prozent der von der “Forschungsgruppe Wahlen” für das ZDF-Politbarometer befragten Bundesbürger votieren für eine rot-rot-grüne Regierung in Hessen. 44 Prozent sind gegen eine solche Zusammenarbeit, 32 Prozent sind unentschlossen. Bezeichnend ist auch, dass selbst 28 Prozent der SPD-Wähler diese Regierungsoption ablehnen (immerhin 40 Prozent sie aber befürworten).
Ein noch wichtigeres Signal für die Bundes-SPD: Eine rot-rot-grüne Koalition auf Bundesebene wollen gerade einmal 17 Prozent der Befragten und auch nur 22 Prozent der SPD-Anhänger. 67 Prozent aller Befragten und 63 Prozent der SPD-Anhänger lehnen eine solche Zusammenarbeit auf Bundesebene ab. Gleichzeitig gehen 57 Prozent der Befragten davon aus, dass die Bundes-SPD eine Koaltion mit der Linkspartei eingehen würde, wenn es eine entsprechende Mehrheit nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr gibt - ein fataler Beleg dafür, dass entsprechende Dementis von Beck & Co. dank des Taktierens der SPD in Hessen mittlerweile schlichtweg nicht mehr ernstgenommen werden.
Nun ist heute schon absehbar, dass das “Geeiere” in Hessen noch mindestens bis in den Spätherbst weitergehen wird. Und wahrscheinlich darüber hinaus: Ganz gleich, ob Ypsilanti Erfolg hat, mit ihrem erneuten Anlauf scheitert oder es gar zu Neuwahlen kommt - der “Fallout” aus dem hessischen “Super-GAU” wird noch über Monate hinweg auf die SPD niederregnen. Und dabei drohen im kommenden Jahr noch vor der Bundestagswahl weitere Katastrophen: die erste im Mai in Form der Wahl des Bundespräsidenten, die zweite in Form der Landtagswahl im Saarland.

