2008
21
Sep
Forsa-Chef Güllner: Auf die “Helmut-Schmidt-Wähler” kommt es an
Bei dem Namen Manfred Güllner dürfte Kurt Beck regelmäßig eine Steigerung von Pulsschlag und Blutdruck verspürt haben: Der Forsa-Chef gilt als einer der schärfsten Kritiker des abgetrenen Partei-Chefs. Mit dem neuen Führungsduo kann sich Güllner schon eher anfreunden - doch die SPD als Partei sieht er nach wie vor in der Krise.
Im Interview mit Cicero (Ausgabe 10/2008, Seite 58) konstatiert Güllner:
“Der Wechsel an der Parteispitze und die Nominierung von Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten war eine notwendige, ist aber keine hinreichende Voraussetzung für einen Erfolg der SPD. Dafür ist die Krise der Partei zu tief. Für diese war Beck überhaupt nicht verantwortlich, doch auf sein Konto geht durchaus, dass sie keinen Ausweg aus der Misere fand, dass seine strategischen Schlenker eher geschadet haben und die Partei unter seiner Führung bei der 20-Prozent-Marke landete.”
Immerhin spricht vieles dafür, dass mit dem Personalwechsel an der Spitze jenes Missverständnis korrigiert wird, das Güllner als Grundirrtum der SPD ansieht:
“Die SPD begeht immer wieder den Irrtum zu glauben, sie sei erfolgreich, wenn sie die Funktionärsschicht zufriedenstellt. Dabei muss sie mindestens 20 Millionen Wähler überzeugen, wie Schröder es 1998 getan hat. Man muss klar sehen: Die SPD hat nicht Wähler nach links verloren, wie immer behauptet wird, sondern Wähler in der Mitte. Der Typus von Wähler, der Helmut Schmidt gewählt hat und 1998 zu Schröder zurückgekehrt ist, der fehlt der SPD mittlerweile.”
Diese Bewertung zeigt einmal mehr: Das Problem der SPD ist nicht die Agenda 2010, sondern in erster Linie die Parteilinke und Teile der Parteibasis, die die Politik der eigenen Partei (trotz klar erkennbarer Erfolge!) mies machen, um ihre eigenen, ideologisch geprägten Positionen durchzusetzen. Eine Lösung dieses Problems hat sich mit der Gründung der WASG und der Überführung in die Linkspartei schon abgezeichnet. Jetzt fehlt der SPD nur noch der Mut, einige weitere linke Hardliner ziehen zu lassen.
Die SPD-Wählerschaft kommt mehrheitlich aus der Mitte der Gesellschaft und nur zu einem sehr kleinen Teil aus einem deutlich linken Spektrum. Stutzt man der SPD den “linken Flügel” zurecht, so bleibt die Partei weiterhin “flugfähig”. Sie muss dabei - um im Bild zu bleiben - zwar vielleicht ein paar Feder lassen, an die Substanz geht es ihr aber keineswegs.

