2008 09
Sep

Kurt Beck und die Intrige ohne Intriganten

Ausgesprächen nebulös blieb Kurt Beck in seiner heutigen Pressekonferenz bei der Frage, was genau sich hinter der Intrige gegen ihn verbirgt. Ausdrücklich nahm er Steinmeier und Müntefering von dem Vorwurf aus - und wirft damit mehr Fragen auf, als er beantwortet.

Becks heutige Erklärung deckt sich mit dem, was bereits am Sonntag in seiner schriftlichen Erklärung zu lesen war: Es habe eine “Intrige” gegen ihn in der Form gegeben, dass gezielt Falschinformationen an die Medien gestreut wurden, die den Eindruck erwecken sollten, nicht Beck habe sich aus freiem Willen zur Nominierung Steinmeiers entschlossen, sondern sei von Steinmeier zu diesem Schritt gedrängt worden. Dabei betont Beck allerdings mehrfach, dass weder Steinmeier noch Müntefering an dieser Intrige beteiligt gewesen seien.

Lassen wir uns diese Darstellung nochmal auf der Zunge zergehen: Ein paar SPD-Politiker aus der zweiten Reihe streuen gezielt eine Falschinformation über den Nominierungsprozess. Diese hätte sich - durch ein geschlossenes Auftreten von Steinmeier und Beck - ohne weiteres aus der Welt schaffen lassen und im Zweifel nach ein paar Tagen niemanden mehr interessiert. Dass Kurt Beck nach all den Anfeindungen der letzten Monate aufgrund dieses einzelnen Ereignisses die Segel streicht, erscheint uns - mit Verlaub - absolut unglaubwürdig.

Auch die Tatsache, dass Beck mit seinem Versuch, Franz Müntefering als seinen Nachfolger zu verhindern, gescheitert ist, weil Frank-Walter Steinmeier weder selbst den Parteivorsitz übernehmen noch den von Beck vorgeschlagenen Olaf Scholz auf diesem Posten sehen wollte, spricht Bände.

Trotz aller Beteuerungen sowohl von Beck als auch von Steinmeier und Müntefering: Das war ein Putsch - und zwar einer aus dem Bilderbuch. Dass keiner der Betroffenen dies offen zugibt, ist nicht nur dem Versuch geschuldet, in der Öffentlichkeit das Gesicht zu wahren, sondern vor allem auch der Tatsache, dass man einen offenen Affront gegen die Parteilinken unbedingt vermeiden will.