2009
02
Aug
Die Welt der Ulla Schmidt
Irgendwie sind Medien und Öffentlichkeit in Deutschland schon ein bisschen gaga: Wenn Ulla Schmidt ihren Dienstwagen im Urlaub privat nutzt, gibt es (durchaus zu Recht) große Aufregung. Wenn sie kurze Zeit später aber von den Ärzten verlangt, Privatpatienten nicht mehr bevorzugt zu behandeln, scheint das niemanden ernsthaft zu stören.
Konkret forderte Schmidt laut heutiger FAZ: “Es kann nicht sein, dass Patientinnen und Patienten viel später einen Termin erhalten, nur weil sie gesetzlich versichert sind.”
Halten wir fest:
Niedergelassene Ärzte sind selbständige Unternehmer. Sie müssen jeden Monat sehen, wie sie über die Runden kommen. Machen sie dauerhaft Verlust, ist das ihr Problem. Da bei der gesetzlichen Krankenversicherung aufgrund von Punktesystem, Quartalsabrechnung und anderen Bürokratismen kaum noch ein Bezug zwischen Aufwand und Entlohnung besteht, ist es völlig logisch und konsequent, dass die Ärzte ihr Einkommen durch eine “Beimischung” von Privatpatienten zu stabilisieren versuchen. Ulla Schmidts Ansinnen, von einem Arzt den Verzicht auf dieses ökonomisch richtige Prinzip zu verlangen, ist da geradezu pervers.
Apropos pervers: Da in Deutschland nur ein kleiner Teil der Menschen privat versichert ist, wäre die Konsequenz einer “Gleichbehandlung” von Privat- und Kassenpatienten nur eine marginale Verbesserung der Terminvergabe für Kassenpatienten - bei gleichzeitig drastischer Verschlechterung für Privatpatienten. Und hier offenbart sich das wahre Ziel der Ulla Schmidt: Es geht nicht um hohe Qualität, sondern vor allem um gleiche Qualität für alle. Ulla Schmidt will die (gut funktionierende!) private Krankenversicherung kaputt machen - die zwangsweise Einführung von Basistarifen diente ja auch genau diesem Zweck.
Dass gleichzeitig die gesetzliche Krankenversicherung schwer angeschlagen ist, seit Jahren (zuletzt durch Einführung des unsäglichen Gesundheitsfonds) die Beitragssätze und (!) die Bundeszuschüsse steigen, ist Ulla Schmidt offenbar völlig gleichgültig. Im Endergebnis geht es ihr um ein staatlich organisiertes Gesundheitswesen - Effizienz ist egal, Ideologie ist alles.
Um wieder auf die Dienstwagenaffäre zurückzukommen: Volkswirtschaftlich gesehen wäre es besser, wenn Ulla Schmidt bei 20.000 EUR monatlicher Pension mit ihrem Dienstwagen ganzjährig durch Spanien tingelte, als dass sie das deutsche Gesundheitswesen weiter herunterwirtschaftet.

