2010
01
Jan
SPD 2010
Zwei turbulente Jahre liegen hinter der SPD: Das Gezackere um Kurt Beck, die peinliche Nummer der Andrea Ypsilanti, Frank Münteferings kurzzeitige Rückkehr an die Parteispitze, Frank-Walter Steinmeiers aussichtsloses Rütteln an den Toren des Kanzleramts - langweilig wurde es mit den Genossen nie. 2010 könnte da ganz anders ausfallen …
Um es vorweg zu nehmen: SPD Watch rechnet in 2010 mit einem ausgesprochen langweiligen und zähen Jahr für die deutsche Sozialdemokratie.
Das neue “Spitzenpersonal” ist vor allem “Personal”, aber kaum “Spitze”. Die Partei ist nach wie vor zerstritten, die Schizophrenie zwischen Realpolitik und linker Ideologie, der Kampf der Flügel noch lange nicht aufgearbeitet. Im Jahr 2010 hadert die SPD nach wie vor mit der gleichnamigen Agenda, eine Perspektive für die Zukunft ist nicht einmal im Ansatz erkennbar. Der politische Gegner in Form der Schwarz-Gelben Koalition wurstelt so vor sich hin, bietet aufgrund interner Streitigkeiten kleinere Angriffspunkte, aber gerade zur Union mangelt es den Genossen an einer klaren Abgrenzung und damit auch an Möglichkeiten zur Profilierung.
Das eigentliche Problem der SPD: Für ihre Rezepte gibt es keine Nachfrage mehr.
Wer als Wähler heute vor allem den Status Quo erhalten möchte, wählt CDU - hier bekommt er einen verlässlichen Eintopf mit einer ordentlichen Beilage von Sozialstaat geboten. Dass dieser gerade künftigen Generationen aufgrund des Festhaltens an überkommenen Strukturen u.a. in der Sozialversicherung schwer im Magen liegen wird, scheint der Klientel entweder nicht bewusst oder schlicht egal zu sein. Die “moderne” Variante des gleichen Einheitsbreis gibt’s bei den Grünen - wenn auch garniert mit etwas mehr gutem Gewissen und Umweltbeilage. Wer etwas weniger fetten Staat mag, wählt die FDP - aber auch hier sind keine Offenbarungen zu erwarten, schliesslich haben die Köche alle bei den gleichen Meistern gelernt. Wer schliesslich all das satt hat, wählt die Linken. Bei den Ganz-Roten bekommt er den gleichen Fraß, allerdings aus minderwertigen Zutaten, dafür aber mit sozial-revolutionärer Würzung, die den Verzehr angenehm erscheinen lässt und den Brechreiz bis zur Verdauungsphase hinauszögert.
Auf diesem politischen Buffet ist sozialdemokratische Kost wahrlich keine Bereicherung mehr, sondern nur noch eine überflüssige Wiederholung des Bekannten. Mehr (vorübergehenden) Zuspruch kann die SPD eigentlich in 2010 nur erwarten, wenn dem Wähler das Unions-Menü mal wieder sauer aufgestoßen ist.

