2008
10
Mrz
Wolfgang Thierse und die Position zur Linkspartei
In Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußert sich Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und Chef der SPD-Grundwertekommision, zur Problematik der SPD mit den Linken:
Er sieht die Beziehung zur Linken als historisch ambivalent an: Die SPD sei im 20. Jahrhundert die “linke antikommunistische Volkspartei” gewesen - und sei dies auch heute noch. In der DDR war die Sozialdemokratie der erklärte Feind der SED. Dennoch gebe es gemeinsame Wurzeln von Sozialdemokraten und Kommunisten in der Arbeiterbewegung.
Obwohl in vielen Punkten differenziert, macht es sich Thierse hier und da doch etwas arg einfach: “Die Reformen der rot-grünen Bundesregierung waren notwendig, sie sind in ihrer Zielsetzung richtig und sie sind auch erfolgreich. Aber sie sind mit Schmerzen, mit Opfern, mit Verunsicherung verbunden. Das nimmt die Linkspartei auf radikaloppositionelle und populistische Weise auf.” Soweit richtig. Die Behauptung, wer das der SPD vorwerfe, der sage, die SPD hätte die notwendigen Reformen nicht durchführen sollen, ist ein wenig arg simplizistisch.
Der SPD ist vorzuhalten, dass sie unter Gerhard Schröder die (unstrittig notwendigen und richtigen) Reformen im “Basta-Stil” durchgesetzt und nur unzureichend kommunziert hat. Ihr ist auch vorzuwerfen, dass sie nicht deutlich gemacht hat, dass die Forderungen der Linkspartei völlig unrealistisch sind. Im Gegenteil: Die SPD hat bei den ersten Anzeichen von Unwohlsein in der Bevölkerung klein beigegeben, in wesentlichen Punkten eine 180-Grad-Wende gemacht und sich die Positionen von der Linkspartei diktieren lassen.
Immerhin hat Thierse erkannt, dass in Zukunft eine klare Auseindersetzung mit der Linkspartei notwendig ist: “Die Linkspartei ist ein politischer Konkurrent und Gegner. Wir haben sie als solche zu behandeln. Selbstbewusst, offensiv, scharf. Es geht um eine inhaltliche Auseinandersetzung. Tabuisierungen, Beschwörungen, Hinwegbeten - das alles hilft nicht. Die Bürger müssen klar sehen, wo die inhaltlichen Differenzen zwischen Linkspartei und SPD liegen.”
Achja, und im übrigen ist natürlich die CDU Schuld: “Die CDU hat immer dasselbe miese Spiel mit der Kommunistenfurcht gespielt - sie hat immer mit der Antikommunismus-Keule auf die SPD eingedroschen.” Mir kommen die Tränen.

